• Ruhe bewahren: Therapie, nicht Pillen, lautet jetzt die Devise bei Angststörungen, national dubai

    „The National“, Author Rob Kemp

    Auf der ganzen Welt steigt die Stressbelastung kontinuierlich an und so ist es keine Ueberraschung, dass auch in den UAE ansässige Experten einen Anstieg bei den stressbedingten Gesundheitsstörungen beobachten, ausgelöst durch den Stress, der durch hohe Arbeitsbelastungen und die Anforderungen in einer 24-Stunden-Gesellschaft zustande kommt.

    Gesundheitsexperten haben sogar Dubai als Opfer einer „Stress-Epidemie“ ausgemacht, weil sich die Bewohner mit so unterschiedlichen Symptomen wie Störungen des Bewegungsapparates, Schlaflosigkeit, Magengeschwüren und Panikattacken beim Arzt vorstellen – alles als Folge exzessiver Stressbelastung.

     In der Vergangenheit haben Gesundheitsaufklärungskampagnen – wie die von den UAE Gesundheits- und Erziehungsministerien, Abu Dhabis Gesundheitsbehörde und der Medizinischen Vereinigung der Emirate gegründeten „Relief“ Initiative – versucht, die wesentlichen Punkte des Schmerzmanagements bekannt zu machen und dabei ganz besonders eine der wesentlichen Ursachen von Schmerz beleuchtet – den Stress.

    Nun hingegen richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend darauf, wie man am effektvollsten diejenigen behandeln kann, die an Angststörungen leiden, und den Menschen idealerweise, Selbsthilfetaktiken an die Hand geben kann, mit denen sie den Stress und die Belastungen unseres modernen Lebens bewältigen können.

    Eine Form der Behandlung, die zunehmend von Therapeuten angewandt wird, ist die Verhaltenstherapie (VT) – dies bedeutet für die Opfer von Panikattacken, Verhaltensstrategien zu erlernen, mit denen sie ihre physischen Reaktionen auf eine beängstigende Situation unter Kontrolle zu halten können.

    „Wir haben sehr viel mit Angst und Panikattacken zu tun und es scheint tatsächlich so zu sein, dass wir in den letzten beiden Jahren einen Anstieg dieser Erscheinungen verzeichnen. Möglicherweise durch die Finanzkrise bedingt mit allen Folgen, die sich daraus ergeben, wie seinen Job zu verlieren, Familienprobleme, usw.“, erklärt  Dr. Martin Kramar vom German Neuroscience Center in Dubai Healthcare City (www.gncdubai.com).

    Es gibt viele verschiedene Arten von Leiden, die mit Angst verknüpft sind, einschließlich der Generalisierten Angststörung (GAD), Panik Attacken und Sozialen Phobien.

    Exakte Daten über die Anzahl der Betroffenen sind verständlicherweise nur schwierig zu erheben, obwohl in den USA das National Institute of Mental Health (NIMH) schätzt, dass rund 40 Millionen Erwachsener an Angststörungen leiden – wovon vielleicht 6 Millionen auch an Panik Störungen erkrankt sind.

    Anzeichen  für Panikattacken sind unter anderem Herzrasen, Schwindelzustände, unbegründete Kurzatmigkeit und Schmerzen in der Brust, aber alles, ohne dass dem eine körperliche Anstrengung vorausgegangen wäre.

    Für viele Menschen bedeutet das Verschreiben von Medikamenten eine Hilfe – Betablocker, Valium und  Antidepressiva wie z.B. Prozac gehören zu den am häufigsten von den Betroffenen eingenommenen Medikamenten. In vielen Fällen kann aber eine Medizin, die dazu bestimmt ist, Koerper und Geist zu beruhigen, ganz offensichtlich  auch einschläfernde Nebenwirkungen haben – so lösen diese Medikamente Benommenheit aus. Zudem besteht die Gefahr, dass die Anwender von solchen Medikamenten davon abhängig werden.

    Kramar’s Team behandelt deshalb Angst- und Panikpatienten mit nicht-medikamentösen Methoden, und zwar entweder mit einer hochentwickelten Form der Bio-Feedback- Entspannungstechnik oder mit Verhaltenstherapie oder einer Kombination aus beidem.

    „Diese Form der Behandlung ist vor allem geeignet für solche Menschen, die unter hohem Druck an ihrem Arbeitsplatz stehen, und sich nicht erlauben können, ständig  müde machende Medikamente einzunehmen, wie z.B. Manager, Athleten, Piloten, Banker, Rechtsanwälte – und natürlich Presseleute“, sagt Kramar.

    „Die üblichsten Symptome sind stress-bezogene Probleme, insbesondere Sorgen um die Zukunft, Sorgen um die finanzielle Situation, aber auch unbestimmte Ängste, Phobien und verschiedene Arten von Panik-Attacken. Jeder einzelne Patient hat ein individuelles Werteempfinden von Glück und den Sinn seines Lebens mit unterschiedlichen Verquickungen bestimmter Situationen, die unangenehme Gefühle von Stress, Angst und Panik auslösen“.

     Die demographische Zusammensetzung von Kramars Patienten – vor  allem Menschen mit westlichem Hintergrund und Arbeitende aus anderen Teilen des Mittleren Ostens – ist auch ein Schlüsselfaktor für die Angsterkrankungen, an denen viele  von ihnen leiden.

    „Die meisten Menschen, die nach Dubai kommen, haben nicht die Absicht, für immer hier zu bleiben. So leiden viele hier darunter, dass sie hier keine Freunde haben und dass ihnen das soziale Umfeld und die emotionale Unterstützung fehlen, wie sie sie in der Heimat gewohnt waren, “ erklärt er. „Dubai ist aber auch der Ort, der bekannt ist für den schnellen und unerwarteten Untergang vieler Unternehmen, und dafür, dass die Menschen ganz einfach gefeuert werden können, so dass innerhalb weniger Tage alles anders ist als zuvor“.

    Aber andererseits sind viele seiner Patienten nach Dubai gekommen, um sich ein neues Leben aufzubauen. „Einige  kommen schon mit erheblicher Stressbelastung aus ihren Heimatländern aufgrund einer Scheidungssituation, eines Bankrotts oder einem ähnlich negativen Ereignis“, fügt Kramar hinzu.

    Spezialisten, die Angstpatienten mit Verhaltenstherapie behandeln, versuchen ihnen dadurch zu helfen, dass sie Abwehrmechanismen gegen ihre Stressoren entwickeln und beibehalten. „Die Patienten lernen, die Wurzel ihrer Ängste zu erkennen und sie aus dem Weg zu räumen“, erklärt Kramar. „Dies erreichen wir oft durch Atemtechniken und konzentrative Übungen.“

    Patienten, die diese Methode anwenden, lernen zunächst, die ersten Anzeichen einer Panikattacke zu erkennen, wie zum Beispiel einen rasch zunehmenden Herzschlag und dann lernen sie, wie sie möglichst schnell ihren Herzschlag wieder verlangsamen können, indem sie diesen mit besonderer Konzentration und verlängertem Ausatmen beeinflussen.

    „Diese Übungen werden in den Therapie-Sitzungen trainiert“, sagt Kramar. „Durch die richtigen Zwerchfell-Atemtechniken kann der Patient sein „parasympathisches“ Nervensystem aktivieren – dies wiederum verringert den Herzschlag und aktiviert Entspannungsreaktionen im Gehirn und im Koerper.“

    Spezifische Verhaltenstherapien werden deshalb entwickelt, um der wachsenden Anzahl an Angst- und Panikpatienten besser zu helfen.  Aber viele der so Betroffenen, vor allem in Führungspositionen und stark stressbelasteten Berufen, zögern noch immer, ihr Problem anzugehen, aus Angst vor der Reaktion ihrer Vorgesetzten.

    „Ich habe die kognitive Verhaltenstherapie als extrem hilfreich empfunden, nachdem ich Medikamente einschließlich Betablocker, psychologische Beratungen und Hypnotherapie ausprobiert hatte,“ erklärt Joanne Bramley, Beraterin bei AnxietyUK in Manchester, England. „Ich hatte unter sozialen Problemen zu leiden und VT half mir, die Anzeichen dieses Zustand zu erkennen, nämlich, wann ich mich am meisten fürchtete, und lehrte mich, damit umzugehen durch Selbstgespräche, indem ich mich der Situation stellte, und die Art und Weise meines Denkens veränderte. Aber auch, indem mir geholfen wurde, mich körperlich zu entspannen.“

    „Als ich nur Medikamente nahm, war ich lethargisch, fühlte mich wie ein nasser Lappen und hatte morgens häufig Probleme aufzuwachen. Aber die Verhaltenstherapie hat meine Energiereserven wiederhergestellt, was einem auch mehr Kraft gibt, die negativen Begleiterscheinungen dieser Zustände durchzustehen.“

    Die Therapiemöglichkeiten für Angstpatienten werden erfreulicherweise mehr und differenzierter, speziell für diejenigen, die es leid sind oder die sich nicht leisten können, ständig Medikamente zu nehmen, die ihre Arbeitskraft negativ beeinflussen.

    Verhaltenstherapeuten hoffen nun, dass durch die Erkenntnis, dass „Pillen“ nicht die einzige Wahlmöglichkeit mehr sind, in Zukunft immer mehr Angst-Betroffene sich trauen werden, die ersten Schritte zur Bewältigung ihrer Ängste zu unternehmen.

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